Ende des vergangenen Jahres --- im Andenken an diese beiden Opfer der Nationalsozialisten, Emil und Christine Denker,  hat der Künstler Gunter Demnig auf Initiative des SPD-Ortsvereins Salchendorf und Gemeindeverbandes Neunkirchen zwei „Gedenksteine“ vor dem ehemaligen Wohnhaus der beiden in der Kölner Straße 359, gesetzen.

Zur Erinnerung an dieses Ereignis veröffentlichen wir die Rede von Hans-Dieter Moritz (1. Vorsitzender SPD-Gemeindeverband Neunkirchen) anlässlich der Verlegung der „Stolpersteine“ für Emil und Christine Denker in Salchendorf:

 

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
meine Damen und Herren,
vor allem aber: Liebe Angehörige der Familie Denker,

ich darf Sie alle, die Sie zur Verlegung der „Stolpersteine“ und zur Erinnerung an Emil und Christine Denker nach hier gekommen sind, im Namen der Neunkirchener SPD herzlich begrüßen und Willkommen heißen.

Mein besonderer Gruß gilt Bernhard Baumann, dem Bürgermeister der Gemeinde Neunkirchen und der stellvertretenden Bürgermeisterin Anne Lück.

Herzlich begrüße ich den Künstler Gunter Demnig aus Frechen, der mit seinem Projekt „STOLPERSTEINE“ weltweit an die Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft erinnert.

Wir freuen uns auch, dass Vorstandsmitglieder vom „Aktiven Museum Südwestfalen“ anwesend sind. Ich sehe Traute Fries und Klaus Merklein. Herzlich Willkommen in Neunkirchen!

Mit besonderer Freude begrüßen wir die Angehörigen und Verwandten von Emil und Christine Denker. Ich sehe u.a. die Familien von Udo Denker, Almut Stein, Beate Schmidt sowie Christa Denker aus Freudenberg und Petra Eich aus Lohmar. Und aus Dortmund ist angereist Rüdiger Denker und seine Frau.

Besonders herzlich begrüßen möchte ich aber einen Mann, der schon vor 33 Jahren dabei war, als wir aus Anlass des 50. Todestages unseres Vorsitzenden Emil Denker, der SPD-Vorsitzende des Ortsvereins Freier Grund – Wilden, in der Erlöserkirche hier in Salchendorf eine große Gedenkfeier durchgeführt haben. Ich begrüße Heinz Denker aus Kreuztal, der Sohn von Emil und Christine Denker. Wir freuen uns sehr, dass Du trotz Deines Alters von 88 Jahren auch heute wieder dabei bist.

Neben Heinz Denker leben noch zwei Kinder von Emil und Christine: Grete Dicke in Freudenberg und Tilli Kaiser die aber erkrankt ist, in Lohmar.

Ich bitte um Verständnis, dass ich hier und heute die Vertreter von Kirche, Heimatverein, VdK, Sportverein, Presse und Kreistag aus Zeitgründen nicht alle persönlich begrüße. Sie alle sind uns willkommen.

Eine Person möchte ich allerdings noch namentlich nennen – und zwar Inge Kampf. Inge hat sich zum Geburtstag Geld schenken lassen um hier einen Stolperstein zu bezahlen.

Eine gute Idee – und herzlichen Dank!

Heute ist der 9. November 2016.

Wie kein anderes Datum steht der 9. November für viele Ereignisse in der deutschen Geschichte. Viele Menschen bezeichnen den 9. November als deutschen Schicksalstag.

Am. 9. November 1918 endete das Deutsche Kaiserreich. Nach der Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg kam es in Deutschland zur „November-Revolution“. Vom Balkon des Berliner Reichtags wurde am 9. November 1918 von Philipp Scheidemann die Republik ausgerufen.

Am 9. November 1923 versuchte Hitler mit seinen Gefolgsleuten die Macht an sich zu reißen. Hitler und die NSDAP marschierten gemeinsam mit General Ludendorff zur Feldherrenhalle in München. Der Putsch wurde niedergeschlagen.

Der 9. November 1938 war eine Schande für Deutschland. Es fand die sogenannte „Reichsprogromnacht“ statt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurden Synagogen angezündet, Geschäfte geplündert und zerstört, zahllose Wohnungen verwüstet. Juden, Gewerkschaftler und Demokraten wurden niedergestochen, erschlagen und zu Tode geprügelt. Hunderttausende unschuldige Menschen wurden in KZs verschleppt und ermordet.

Auch der 9. November 1989 war ein Tag der Deutschland veränderte. Es war ein schöner Tag in der deutschen Geschichte: Es kam zum Fall der „Berliner Mauer“. 28 Jahre lang hatte die Mauer die Menschen in Deutschland getrennt. Nun konnten sich Verwandte und Freunde aus Ost und West wieder in die Arme schließen.

Heute, am 9. November 2016 setzen wir Gedenksteine / „Stolpersteine“ für Emil und Christine Denker. Das LEBEN und STERBEN dieser Menschen betrifft nicht nur die Familienangehörigen.

Es ist wichtig, dass das WIRKEN und der KAMPF von Emil und einer Vielzahl von Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Christen für

Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit

in Erinnerung bleibt!

 

Viele der Jüngeren in unserer Gesellschaft wissen nicht mehr – oder sie verdrängen es – dass Demokraten nach der Machtergreifung des Diktators Hitler durch die Nazis in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern zu Tode gefoltert und ermordet wurden.

Emil Denker wurde als Soldat im 1. Weltkrieg schwer verletzt. Lungendurchschuss, Krankheiten und Verletzungen sowie die Haft in englischer Gefangenschaft hatten ihn stark gezeichnet. Emil – der aus der Arbeiterbewegung kam – blieb auch in der Nazizeit seinen Grundsätzen treu.

Er war ein Sozialdemokrat aus Überzeugung und zugleich tief gläubiger Christ. Dies hatte zur Folge, dass er und seine Familie von den Nazis ständig verfolgt und bedroht wurde.

Am 6. Mai 1934 war es wieder einmal so weit. SA-Leute in Braunhemden dringen hier in das Wohnhaus der Familie Denker ein. Sie schleppen Emil in den Keller, prügeln auf ihn ein und drohen das Haus anzuzünden.

Als die kleine Tochter die Kellertür öffnet und sieht, wie die Männer in Braunhemden ihren Vater blutig schlagen, rennt sie schreiend ins Nachbarhaus und ruft: „Die schlagen meinen Vater tot!“

Wenig später sehen Nachbarn und Tochter, wie die SA-Leute den Vater in den Wagen schleppen und wegfahren. Der kriegsversehrte und geschundene Körper von Emil kommt in den folgenden Wochen nicht mehr zu Kräften.

Am 23. November 1934 verstirbt Emil.

Als man der schwangeren Christine die Nachricht vom Tode ihres Ehemannes nicht länger verschweigen kann, stirbt auch sie und wenig später das Kind.

Meine Damen und Herren, einen solchen Terror – solche Verbrechen, darf es in Europa und der Welt eigentlich nie wieder geben!

Aber wir dürfen die Fakten und Tendenzen nicht übersehen: Auch in der heutigen Zeit versuchen in Deutschland und vielen Teilen der Welt, Faschisten und Antidemokraten die Macht zu erobern oder ihre Diktatur zu verfestigen.

Wenn man hört, sieht, liest, wie sich Erdogan in der Türkei und Donald Trump in den USA verhalten, kann einem Demokraten Angst und Bange werden.

Deshalb gilt es für uns Demokraten und Christen – in der heutigen Zeit und in der Zukunft – für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu streiten.

Es gilt den inneren und äußeren Frieden für das Volk und die Menschen in der Welt zu sichern. Dafür lasst uns gemeinsam eintreten.

Denn es besteht die Gefahr:

Wer in der Demokratie schläft,
der wacht in der Diktatur auf!

 

Ich bitte nun um eine Minute des Gedenkens!

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Hintergrund zu Emil und Christina Denker:

 

Emil Denker aus Salchendorf war ein überzeugter Sozialdemokrat und Gewerkschaftler. Als solcher kämpfte er für Gerechtigkeit und Demokratie.

Er war bis zu dem Verbot durch die Nazis Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe „Freier Grund – Wilden“. Am 6. Mai 1934 wurde Emil Denker in seiner Waschküche vom Nazi-Rollkommando Odenthal brutal zusammengeschlagen und gefoltert. Anschließen verbrachte man ihn unversorgt in das Spritzenhaus in Neunkirchen und sperrte ihn dort ein.

Er erholte sich nicht mehr von diesen Misshandlungen. An deren Folgen verstarb er am 23. November 1934.

Seine Frau Christine, die im 9. Monat schwanger war, erlitt einen Herzinfarkt als man ihr die Nachricht vom Tode ihres Mannes überbrachte und verstarb am gleichen Tag und mit ihr das ungeborene Kind.

Im Andenken an diese beiden Opfer der Nationalsozialisten wurde vom Künstler Gunter Demnig auf Initiative des SPD-Ortsvereins Salchendorf und Gemeindevebandes Neunkirchen zwei „Gedenksteine“ vor dem ehemaligen Wohnhaus der beiden in der Kölner Straße 359 gesetzt. Die Stolpersteinverlegung fand am Mittwoch, 9. November 2016 um 13.30 Uhr an deren ehemaligem Wohnhaus, Kölner Straße 359 statt.

 

Stolpersteine Emil und Christina Denker

Daten & Fakten

Emil Denker war Soldat im 1. Weltkrieg. Er wurde schwer verletzt, u.a. Lungendurchschuss, Krankheiten, Verletzungen und englische Gefangenschaft hatten ihn schwer gezeichnet als er 1918 nach Hause, hier nach Salchendorf kam.

Der überzeugte Demokrat und Gewerkschafter kämpfte in den Folgejahren für Gerechtigkeit und Demokratie. Er wurde Vorsitzender der damaligen Ortsgruppe der SPD „Freier Grund – Wilden“.

Am 6. Mai 1934 wurde Emil Denker erneut vom Nazi-Rollkommando Odenthal brutal zusammengeschlagen, gefoltert und später im Spritzenhaus in Neunkirchen eingesperrt. Er erholte sich nicht mehr von diesen Misshandlungen an deren Folgen er am 23. November 1934 verstarb.

Emil Denker, Geb. am 12. Oktober 1889, verstorben am 23. November 1934, im Alter von 45 Jahren an den Folgen der Misshandlung und Folterung durch SA-Männer

 

Christine Denker war im 9. Monat schwanger. Als man ihr nachts um 2.00 Uhr die Nachricht vom Tod ihres Ehemannes nicht länger verschweigen konnte, stirbt sie morgens um 7.00 Uhr und wenig später das Kind.

Christine Denker Geb. Jung, Ehefrau von Emil Denker, geb. am 16. Januar 1895, verstorben am 23. November 1934 im Alter von 39 Jahren

Am Tage der Beerdigung – dem 26. November 1934 – kam es zu einer großen Trauerversammlung mit Hunderten von Menschen auf dem Friedhof in Salchendorf. Fritz Fries, bekannter Sozialdemokrat aus Siegen und später Regierungspräsident in Arnsberg, hielt eine vielbeachtete Trauerrede.